Dieser Tag bescherte uns das typische Island-Regenwetter in allen Facetten. Der See Mývatn hatte bei weitem nicht mehr so viel Zauberhaftes wie am Vortag. Dies hält jedoch die Fischer nicht davon ab, im Abfluss des kleinen Nebensees Grænavatn zu fischen. Eine Nebelzone auf dem Mývatn ist dennoch ziemlich fotogen. Baldiges Aufklaren verlieh der Landschaft intensive Farben.
Die Brücke über den Jökulsá á Fjöllum haben wir bei intensivem Regen überquert. Bei Biskupsháls führt die Ringstrasse über ein - auch bei Regen - interessantes Gebiet. Es gibt sogar Radfahrer, die sich trotz Regen, Sturm und Einsamkeit in diese Gegend wagen.
Die Strasse 85 ist zu Beginn eher eintönig. Man fährt auf einer Hochebene über dem Tal des Flusses Hofsá, welchen man jedoch kaum zu Gesicht bekommt. Man sieht weit ins Gebirgsmassiv des Smjörföll. Wenn dann Vopnafjorður in Sicht kommt, wird es für den Fotografen wieder spannend. Mit mittlerem Gefälle schlängelt sich die Strasse 85 dem Meer zu.
Bei Burstarfell ist ein gut erhaltener historischer Bauernhof mit den für alte isländische Häuser typischen Grasdach als Museum ausgestattet worden. Leider war geschlossen, als wir vorbei kamen. Vopnafjörður ist ein kleines Fischerdorf in der gleichnamigen Bucht.
An der Strasse 917 liegt der Wasserfall Vindfell. Wir konnten den Namen gut verstehen, denn es stürmte und wir empfanden die Temperaturen dadurch als bitterkalt. Anhalten lohnt sich auf jeden Fall. Beim Wasserfall nisten hunderte von möwen. Wer genauer hinschaut, kann eine Menge niedriger Blumen finden. Wenige Kilometer nach Vindfell kommt man an einem Felsen vorbei, der wie ein aus dem Meer steigender Elefant aussieht.
Bei Dalland beginnt der Pass Hellisheiði. Wir hätten gut daran getan, das Strassenschild nicht nur zu fotografieren, sondern auch die darauf angegebene Telefonnummer anzurufen. Die Pass-Strasse ist eine Naturstrasse und hat 15% Steigung. Oben war sie komplett in Nebel gehüllt und führte über einen Grat. Der Wind auf dem Grat war so stark, dass unser schwerer Landcruiser leicht seitwärts geschoben wurde und wir nur mit konstanter (langsamer) Geschwindigkeit und viel Gegensteuer heil darüber kamen. Fotos gibt's davon verständlicherweise keine.
Auf der anderen Seite des Passes regnete und windete es intensiv. Die steile Abfahrt auf der Naturstrasse glich daher einer Rutschpartie. Man wusste nie, wann die nächste Windbö wieder am Auto herumzerren würde. Dafür änderte sich der Blick auf die Mündungsebene des Jökulsá á Brú dauernd und zeigte uns sogar einen doppelten Regenbogen.
Bei Ketilsstaðir regnete es sehr fein und stark. Eine Gruppe Pferde hielten sich trotzdem auf der Weide auf. Bei Bakkagerði präsentierte uns die Natur den schönsten Regenbogen, den wir bisher gesehen hatten.
Auf der folgenden Strecke Richtung Egilsstaðir erlebten wir weiterhin die Launen des isländischen Wetters. Die Strasse 917 bildete fast eine Wettergrenze. Der Westen war sonnig, der Osten mit schwarzen Wolken verhangen und regnerisch. Auf beiden Seiten tobten Windböen, was zu Sandstürmen im Westen und zu weissen Regenwänden im Osten führte.
Nach einem kurzen Stück auf der Ringstrasse 1 zweigt bei Fellbær die 931 ab. Sie führt am milchig-blauen See Lagarflíjót entlang nach Hallormsstaður. Der See bekommt seine blaue Färbung von im Seebecken ausströmenden vulkanischen Gasen. Bei Hallormsstaður wurden anfangs des 20. Jahrhunders Bäume angepflanzt. Diese bilden heute die einzige grössere Waldfläche Islands.
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